SIMM 2020 St. Antönien

45. Swiss International Moutain Marathon Pany St. Antönien vom 15./16.08.2020

Ein Frage der Definition

Hohe Berge, schwere Beine und verhängnisvolle Bierpausen: Der Swiss International Mountain Marathon ist ein OL mit besonderen Herausforderungen. Ein Erfahrungsbericht.
 
Als wir uns im Januar 2020 für den SIMM anmeldeten, war Corona noch in weiter Ferne. Wenig später wurde Wettkampf um Wettkampf abgesagt und die Schweiz verabschiedete sich in den Lockdown. Umso überraschter waren mein Wettkampfpartner Felix und ich, als das OK des SIMMs kurzfristig bekannt gab, dass der sportliche Event doch stattfinden würde.
 
Mit der Maske im Gepäck machten wir uns im August auf nach St. Antönien. Von dort wurden wir in Kleinbussen zum Alpenrösli auf der Partunstaffel transportiert. Den Start in Sichtweite genehmigten wir uns das obligate isotonische Hopfengetränk vor dem Ernstkampf. Mit unseren 60 und 65 Jahren gehörten wir auch in diesem Jahr bereits zu den Routiniers und deshalb nahmen wir es gewohnt locker. Ambitionen auf den Podest waren in Anbetracht der 20-jährigen Topsportlern so vergänglich wie die Schaumkrone auf unserem Bier. Mit ihren leichten Rucksäcken und den flinken Beinen konnten wir zwei alten Hasen, mit schwerem Gepäck und Bierbauch, nicht mithalten. Ob schliesslich die frische Bergluft oder der Alkohol unsere Wahrnehmung trübte – kurz vor dem Startschuss kam auch bei uns der Ehrgeiz auf. Die Wetterprognosen liessen zudem ein gutes Wochenende erahnen und trugen zu unserem Übermut bei. Das Resultat: Die junge Konkurrenz war vergessen und ein Platz im vorderen Mittelfeld plötzlich ganz realistisch.

Im Rennen

Pünktlich um 13 Uhr fiel der langerwartete Startschuss. Massenstart mit Maske. Während sich die Masse bald verflüchtigte, stecken Felix und ich unsere mit Masken versehenen Köpfe zusammen. 5 Stunden Zeit, um 27 Posten anzulaufen. Geübt definierten wir die optimale Routenführung.
Zielstrebig liefen wir einen Posten nach dem anderen an. Ein Auge auf den steinigen Weg gerichtet, das andere den Höhenkurven folgend. Kurz vor dem Zieleinlauf erweckte allerdings eine sympathische Gaststätte am Wegesrand unsere Aufmerksamkeit. Ein Wink des Himmels. Doch Felix, der noch nie viel von göttlicher Fügung gehalten hatte, hielt uns von dieser sündhaften Versuchung ab. So nahmen wir unsere alten Beine unter die Arme und joggten mit letzter Kraft hinunter ins Ziel.
Nach der obligatorischen Materialkontrolle suchten wir uns einen schönen Schlafplatz und liessen unser Tagesergebnis auf unseren Zungen zergehen. 4:39:28, 450 Punkte und Zwischenrang 11 von 20 gestarteten Teams. Noch nicht ganz das vordere Mittelfeld, aber das war schliesslich nur eine Frage der Definition. 

Das Galadinner unter Sternen

Unsere Leistung belohnten wir mit einem Galadinner: Hühnerbouillon, gemischter Salat, Polenta mit Salbei und Rotwein. Zum Dessert ein Linzertörtchen. Während die anderen Sportler in ihren Zelten an ihrem Proteinriegel kauten, sorgte unsere kalorienhaltige Kost bei Felix für einen unerwarteten Energieschub. Ein Schlummertrunk musste her. So entfernten wir uns von unserem Camp, nur um 215 Höhenmeter und rund 20 Minuten später die Pforte zur hellerleuchteten Alpwirtschaft aufzustossen. Und so kamen wir doch noch zu unserem „Herrgöttli“. Im Licht der Sterne und der Stirnlampe begaben wir uns zu später Stunde auf den Rückweg.
 
Das Camp mit vielen Zelten der Teilnehmer

Die Strategie

Die Nacht war kurz. Zu kurz. Um 5 Uhr morgens wurden wir unsanft aus den Träumen gerissen. Nach dem Frühstück packten wir unsere sieben Sachen und nahmen den 45 minütigen Aufstieg zum Start auf uns. Langsam dämmerte uns, dass unser nächtliche Ausflug nicht zielführend gewesen sein könnte. Nicht nur die Beine fühlten sich schwer an, auch der Kopf liess uns hängen. Doch dank unserer Erfahrung kamen wir immer besser in den Wettkampf zurück: Pünktlich zur Kaffeepause kehrten wir in einer Alpwirtschaft ein, löschten unseren Durst mit einem (Konter-)Bier und besprachen unsere Strategie. Wir entschlossen uns zu einem taktischen Meisterstreich. Wir würden die Posten im hinteren Tal nicht holen und dafür mit einer guten Zeit ins Ziel einlaufen. Der Clou: Das wiederum würde uns erlauben, uns nochmals in einer Gastwirtschaft zu stärken.

Knapp verpasst

Nach 4:46.31 kamen wir schliesslich pünktlich ins Ziel. Unsere junge, athletische Konkurrenz liess sich derweil bereits mit alkoholfreiem Bier feiern. Da ahnten wir schon, dass es für das Siegertreppchen wohl nicht gereicht hatte. Am Ende erreichten wir mit 1259 Punkten und einer Gesamtzeit von 09:25:59 den 11.Schlussrang. Müde und stolz beglückwünschten wir uns zu unserem Resultat. Wir hatten unser Ziel erreicht: Kurz vor der Top 10 – das entsprach dem vorderen Mittelfeld. Trotz Restaurantbesuch und nächtlichem Ausflug. Wir öffneten ein Bier und beschlossen, dass wir unsere Glanztat nächstes Jahr wiederholen würden. Prost!

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Daniel Montandon

Auf dem Tomlishorn ein Sprung ueber dem Nebelmeer. Fotografiert mit Selbsausloeser

Daniel Montandon

Ich bin leidenschaftlicher Hobbyfotograf und liebe es, in der Natur unterwegs zu sein.
Frühmorgens oder spät abends, wenn das Licht weicher und warm ist, sind die idealen Bedingungen. Seien es Tiere in der Natur oder Personen am See oder beim Wasserfall ich versuche das aussergewöhnliche Bild festzuhalten.

Mein Ziel ist es, Fotoprojekte in der Natur zu realisieren, ohne aufwendige Bildbearbeitung am Computer durchführen zu müssen. Ich liebe es, mich dabei auch auf ausgefallene Projekte einzulassen. Je nach Projekt bin ich auch gerne bereit, diese auf tfp-Basis umzusetzen. Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme.