2-Tages-Wanderung Spitzmeilen und Gipsgrat – spektakuläre Gratwanderung in den Glarner Alpen
Die Wanderung vom Maschgenkamm über die Spitzmeilenhütte, den Spitzmeilen und den Gipsgrat bis nach Weissenbergen gehört zu den eindrucksvollsten 2-Tages-Touren der Ostschweiz. Spektakuläre Gipfel, einsame Grate, eine faszinierende Geologie und traumhafte Ausblicke auf die Glarner Alpen machen diese Tour zu einem unvergesslichen Erlebnis.
Toureninformationen
9,2 km | ↑ 630 Hm | ↓ 570 Hm | 3 Std. 35 Min.
Tag 2: Spitzmeilenhütte – Spitzmeilen – Gipsgrat – Weissenbergen
14,8 km | ↑ 830 Hm | ↓ 1’665 Hm | 8 Std.
Tour im Überblick
Region: Flumserberge / Glarner Alpen
Ausgangspunkt: Maschgenkamm
Übernachtung: Spitzmeilenhütte SAC
Endpunkt: Weissenbergen
Gesamtdistanz: 24 km
Gesamtaufstieg: 1’460 Höhenmeter
Gesamtabstieg: 2’235 Höhenmeter
Gesamtwanderzeit: ca. 11 Stunden 35 Minuten
Schwierigkeit: Anspruchsvolle Bergwanderung (T3–T4)
Beste Jahreszeit: Juli bis Oktober
Tag 1: Vom Maschgenkamm zur Spitzmeilenhütte
Nach der langen Anreise an diesem heissen Sommertag geniessen wir auf der Terrasse des Maschgenkamms zuerst ein wohlverdientes, kühles Bier. Felix stärkt sich mit einer feinen Portion Glarner Zigerhörnli mit würzigem Schabziger, Zwiebelschwitze und Apfelmus. Die perfekte Einstimmung auf zwei abwechslungsreiche Wandertage.
Schon bald verlassen wir die gemütliche Terrasse und machen uns bei gefühlten 40 °C auf den Weg. Zunächst folgen wir einem Teilstück der bekannten 7-Gipfel-Tour Richtung Spitzmeilenhütte. Trotz der grossen Hitze ist die Wanderung entlang des aussichtsreichen Grats ein Genuss.
Über die Gipfel der Flumserberge
Unsere Route führt über den Ziger (2’074 m), den Leist (2’223 m), Rainissalts (2’259 m), Mütschüelergulmen (2’315 m) und den Hoch Camatsch (2’237 m). Hier verlassen wir die 7-Gipfel-Tour und folgen dem markierten Bergweg zur Spitzmeilenhütte.
Immer wieder öffnet sich der Blick über die Flumserberge und hinüber zu den markanten Gipfeln der Glarner Alpen. Die abwechslungsreiche Landschaft macht bereits den ersten Tag zu einem echten Genuss.
Nach rund dreieinhalb Stunden erreichen wir die gemütliche Spitzmeilenhütte, wo wir den warmen Sommerabend in herrlicher Bergkulisse ausklingen lassen.
Tag 2: Spitzmeilen und Gipsgrat
Nach einem gemütlichen Frühstück starten wir früh Richtung Spitzmeilen (2’501 m). Die mit Ketten gesicherten Stellen sind problemlos zu bewältigen, und schon bald stehen wir beim Gipfelkreuz.
Panorama auf den Glarner Alpen
Die Aussicht ist schlicht grandios. Glärnisch, Tödi, Sardonamassiv und die Bündner Alpen liegen vor uns. Es ist erstaunlich ruhig – selbst die Tiere suchen bei der grossen Hitze lieber schattige Plätze.
Schon wenig später erreichen wir den Wissmeilen (2’481 m). Von hier wirkt der lange Gipsgrat überraschend harmlos. Die anspruchsvolleren blau-weiss markierten Passagen folgen jedoch erst gegen Ende der Überschreitung.
Die ersten geologischen Highlights
Bereits auf diesem Abschnitt fällt das auffällige rote Gestein ins Auge. Es handelt sich um den sogenannten Verrucano, ein über 250 Millionen Jahre altes Konglomerat- und Sandsteingestein. Es entstand in einer trockenen Wüstenlandschaft lange bevor sich die Alpen auffalteten und prägt heute weite Teile der Glarner Alpen.
Der Gipsgrat – eine geologische Besonderheit
Der Gipsgrat gehört zu den aussergewöhnlichsten Berggraten der Schweiz. Sein Name stammt vom hellen Gestein, das hier eindrucksvoll an die Oberfläche tritt.
Vom roten Verrucano zum weissen Gips
Der erste Teil des Grates verläuft noch über einen breiten Rücken mit kleinen Seelein und den bekannten roten Verrucano-Felsen. Plötzlich verändert sich das Landschaftsbild komplett. Der Grat leuchtet weiss bis hellgrau.
Hier treten mächtige Schichten aus Gips und Rauhwacke zutage – einem stark verwitterten Dolomitgestein. Der Kontrast zwischen den hellen Gesteinen und dem roten Verrucano ist einzigartig und macht den Gipsgrat zu einem geologischen Highlight.
Millionen Jahre Erdgeschichte unter den Füssen
Die verschiedenen Gesteinsarten erzählen die spannende Entstehungsgeschichte der Alpen. Der Verrucano entstand vor rund 250 Millionen Jahren in einer trockenen Wüstenlandschaft. Gips und Dolomit bildeten sich später in flachen Meereslagunen, als grosse Teile der heutigen Schweiz noch unter Wasser lagen.
Während der Alpenfaltung wurden diese unterschiedlichen Gesteinsschichten übereinandergeschoben. Heute lassen sich entlang dieser Wanderung verschiedene Erdzeitalter praktisch Schritt für Schritt erleben – ein Paradies für alle, die sich für Geologie interessieren.
Mit dem Tödi und dem Glärnisch ständig im Blick geniessen wir die grossartige Aussicht auf die UNESCO-Welterbe-Region Tektonikarena Sardona.
Über den Guldergrat zum Gulderstock
Auf dem Guldergrat verändert sich der Untergrund erneut. Nun dominieren schiefrige, plattige Gesteine sowie verwitterter Verrucano. Dazwischen führen schmale Bergwege immer wieder über saftige Alpweiden mit einer beeindruckenden Vielfalt an Alpenblumen.
Schiefer, Schutt und Schneefelder
Vor dem Gulderstock gilt es zunächst ein Schneefeld und anschliessend ein Schuttfeld zu queren. Der Gipfelaufbau besteht aus brüchigem Schiefergestein und verlangt nochmals volle Konzentration.
Wetterstation auf dem Gulderstock
Auf dem Gulderstock (2’510 m) steht eine automatische IMIS-Windstation. Sie misst kontinuierlich Lufttemperatur, Windgeschwindigkeit, Windrichtung und Böenspitzen und liefert wertvolle Daten für Wetter- und Lawinenprognosen.
Nach einer ausgedehnten Mittagsrast versuchen wir noch den Gulderturm zu besteigen. Bereits nach wenigen Klettermetern wird klar, dass das extrem brüchige Gestein und der lose Schutt keine sichere Besteigung zulassen. Vernünftigerweise verzichten wir auf den Gipfel.
Der lange Abstieg nach Weissenbergen
Nun wartet der lange Abstieg nach Weissenbergen. Unsere Trinkflaschen sind inzwischen fast leer, doch weder Brunnen noch Bergbeiz sind in Sicht.
Etwa eine Viertelstunde vor dem Skihaus Stäfeli treffen wir zwei Wanderinnen mit Hund. Es sind die beiden Hüttenwirtinnen. Eigentlich ist die Hütte geschlossen, weil die beiden selbst auf einer kurzen Wanderung sind. Mit etwas Überredungskunst kehren die beiden mit uns zurück – und kurze Zeit später geniessen wir endlich das langersehnte Bier.
Nach einer gemütlichen Pause nehmen wir die letzten 45 Minuten bis zur Bergstation Weissenbergen unter die Füsse.
Fazit: Eine der schönsten Gratwanderungen der Ostschweiz
Die 2-Tages-Wanderung vom Maschgenkamm über die Spitzmeilenhütte, den Spitzmeilen und den Gipsgrat bis nach Weissenbergen verbindet alles, was eine grossartige Bergtour ausmacht: spektakuläre Gipfel, abwechslungsreiche Gratwanderungen, fantastische Ausblicke und eine einzigartige Geologie.
Besonders eindrücklich ist der Wechsel der verschiedenen Gesteinsarten. Vom roten Verrucano über hellen Gips und Rauhwacke bis zu den schiefrigen Felspartien am Gulderstock wird die Entstehungsgeschichte der Alpen auf eindrucksvolle Weise sichtbar.
Wer eine lange, aussichtsreiche und eher wenig begangene Bergwanderung sucht, wird diese Tour garantiert in bester Erinnerung behalten.