Milchstrassen-fotografie

Die Schönheit der Milchstrasse

Diesen Juni konnten ich ein wunderschönes Naturspektakel auf über 2000 Meter über Meer einfangen. Erfahre in meinem Erfahrungsbericht wie auch du die Milchstrasse festhalten kannst.

Seit einigen Wochen habe ich geduldig auf den perfekten Moment gewartet. Keine Wolken sollten den Himmel bedecken, die Milchstrasse sollte ohne den störenden Mond sichtbar sein, und natürlich wollte ich trockenes Wetter ohne Wind haben. Endlich sind die Wetterprognosen vielversprechend, und am Mittwochnachmittag mache ich mich bereit für mein Abenteuer.
Ich nehme den Zug, das Postauto und schließlich die Luftseilbahn nach Biel-Chinzig. Die Sonne strahlt am blauen Himmel und das Wetter könnte nicht besser sein. Mein Rucksack ist vollgepackt mit allem, was ich für mein Vorhaben brauche. Ein Zelt, um die Nacht auf über 2100 M. ü. M. zu verbringen, eine kleine Küche, um mich zu versorgen, und natürlich mein kleines Stativ und die Kamera, um die Schönheit einzufangen.
Die Vorfreude steigt mit jedem Kilometer, den ich zurücklege. Ich kann es kaum erwarten, die Stille der Natur zu erleben und den perfekten Moment festzuhalten. Die Gedanken an den klaren Sternenhimmel, den ich in dieser Nacht sehen werde, treiben mich an.
Der Rucksack wiegt schwer auf meinen Schultern, doch jeder Schritt bringt mich näher zum Chinzigpass.

Historischer Pass

Der Chinzigpass ist ein historisch bedeutender Gebirgspass in der Schweiz, der auf einer Höhe von 2073 Metern liegt. Der Passweg über den Chinzigpass war bereits in früheren Zeiten von großer Bedeutung und diente als Verbindungsweg zwischen den verschiedenen Regionen der Schweiz.
Eine bemerkenswerte Episode in der Geschichte des Chinzigpasses ist die Überquerung durch General Alexander Suworow im Jahr 1799. Suworow, ein russischer Militärführer, war bekannt für seine aussergewöhnliche Fähigkeit, schwierige Gebirgspässe zu überwinden. Mit einer Armee von rund 20’000 Soldaten machte er sich auf den Weg, um die Alpen zu überqueren und die französischen Truppen zu bekämpfen.
Suworow und seine Soldaten überquerten den Chinzigpass und setzen ihren Weg durch das Muotathal fort, um dann über den Pragelpass ins Glarnerland zu gelangen. Von dort aus führte sie ihr Weg über den Panixerpass ins Vorderrheintal.

Abendstimmung auf dem Hinter Chinzerberg. Wolkenstimmmung über den Urneralpen

Canon EOS 5D Mark IV, Sigma 24mm, f/6.3, 1/1000, ISO100

Weiterwandern zum Gipfel-Zeltplatz

Nachdem ich den blau-weissen Wanderweg verlassen habe, führt mich mein Weg bald weglos über saftige und steile Wiesen hinauf zum Hinter Chinzerberg, der eine Höhe von 2137 Metern aufweist. Auf einer kleinen ebenen Fläche finde ich den perfekten Platz, um mein Zelt aufzustellen und die atemberaubende Rundsicht zu geniessen.

Auf dem einsamen Gipfel angekommen, bereite ich meinen Kocher vor und mache mich ans Werk, um mein thailändisches Chili-Fertiggericht zuzubereiten. 
Ich geniesse mein Essen und begleite es mit einem kühlen Bier, das ich für mein Star-Light-Dinner mitgebracht habe. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages tauchen die Landschaft in ein warmes Licht, und ich kann den Augenblick in vollen Zügen auskosten. Die Ruhe und Stille um mich herum lassen mich den Alltag vergessen und den Moment in seiner ganzen Pracht geniessen.

Mein Zeltplatz im Abendlicht mit Sonnenuntergang beim Chaiserstock Rossstock

Canon EOS 5D Mark IV, Sigma 24mm,  f/6.3, 1/6400, ISO100

Milchstrasse über den Urneralpen, Im Sueden werden die Wolken vom Gewitterblitz im 3 Sekundentakt erhellt.

Canon EOS 5D Mark IV, Sigma 24mm, f/2.0, 20s, ISO2500 mit Stativ

Der grosse Moment ist da

Ein fotografischer Höhepunkt erwartet mich mitten in der Nacht. Zwischen 00:30 und 02:30 Uhr wird sich die Milchstrasse südlich von mir am Himmel präsentieren. Ich freue mich darauf und lasse mich vom Wecker aus dem Schlaf rütteln. Mitternacht ist gekommen und ich krieche aus meinem warmen Schlafsack.

Im Süden tobt ein Gewitter, es blitzt und donnert im 3-Sekunden-Takt. Ich hoffe, dass das Gewitter nicht über die Alpen Richtung Norden auf mich zukommt. Es ist beunruhigend, da das Gewitter nur 15 km entfernt ist. Die Dunkelheit liegt über der Landschaft, und es ist windstill. Doch am Horizont im Süden erstreckt sich die Milchstrasse, über den schneebedeckten Gipfel der Urneralpen. Die Spitzen der Alpen ragen hervor, während sich im Süden ein riesiges Wolkenmeer auftürmt und im Hintergrund das Donnern und Blitzen zu beobachten ist. Die Wolken erhellen sich im 3-Sekunden-Takt und verleihen der Szenerie einen faszinierenden Anblick, der meine Vorfreude weiter steigert.

Ich stelle meine Kamera manuell ein, kontrolliere den Fokus und speichere die Einstellungen. Mit dem Zelt im Vordergrund beginne ich, die ersten Aufnahmen zu machen. Die Kombination aus dem imposanten Gewitter und der atemberaubenden Kulisse der Alpen verspricht einzigartige Fotomotive.
Ich geniesse diesen magischen Anblick, der Naturgewalt und Schönheit vereint. Das Gewitter im Süden gibt der Szenerie eine dramatische Note, während die Milchstrasse und die schneebedeckten Gipfel eine ruhige Majestät ausstrahlen. Es ist ein Moment, den ich nie vergessen werde, und ich hoffe, dass meine Aufnahmen diese fesselnde Atmosphäre einfangen konnten.

Abenteuerliche Rückreise

Nach einer kurzen Nacht breche ich auf, um den Mittler-und Vorder-Chinzerberg zu erkunden. Der Weg ist weglos, aber gut begehbar, und ich geniesse das Auf und Ab auf diesen sanften Bergrücken. Die Landschaft um mich herum ist einfach wunderschön.

Vom Vorder-Chinzerberg aus mache ich mich auf die Suche nach dem Weg hinunter zum Seenalperseeli. Auf der Karte sind einzelne Felsbänder eingezeichnet, die Orientierung von oben ist schwierig, und der Weg nicht ersichtlich. Alleine ist es mir zu riskant, mich in diesem weglosen mit Erlen und Alpenrosen durchsetzten Gebiet weiterzubewegen. Deshalb entscheide ich mich, umzukehren und zurück zwischen den Hinter- und Vorderen Chinzerberg zu wandern. Dort suche ich den Abstieg zum Seenalperseeli.

Es stellt sich als echte Herausforderung heraus, da ich steile Grasflanken überwinden muss, aber ich bin bereit für das Abenteuer. Mit Vorsicht und Geschicklichkeit finde ich meinen Weg in nordöstlicher Richtung hinunter zu diesem idyllischen Bergsee.
Der Anblick des Seenalperseelis belohnt mich für meine Anstrengungen. Das klare Wasser spiegelt die umliegende Bergkulisse wider, und ich kann mich kaum sattsehen an der Schönheit der Natur. Es ist ein perfekter Ort für eine Pause und einige Schnappschüsse.

Blick vom Gipfel des Hinter Chinzerberg zum Seenalperseeli im Hürital

Canon EOS 5D Mark IV, Sigma 24mm, f/13, 1/160s, ISO100

Fototipps

Wenn es darum geht, sich auf fotografische Abenteuer vorzubereiten, gibt es einige wichtige Aspekte zu beachten. Hier sind einige Fototipps und Vorbereitungen, die dir helfen können:

1. Wetter: Überprüfe die Wetterbedingungen, insbesondere in Bezug auf Wolken, Regen und Nebel. Eine klare Nacht ist ideal für Astrofotografie und die Aufnahme von Sternenkonstellationen. Verwende Apps oder Websites, um den Wetterbericht und den Zustand des Himmels zu überprüfen.
App: Sun Surveyor ist ein übersichtliches, gutes App für Sonne, Mond, Milchstrasse und Fotogelegenheiten. Nutze ich gerne zur schnellen Übersicht.
App: PhotoPills nutze ich für präzise Angabenzum Mond- und Sonnenstand.

2. Standort: Wähle einen Ort, an dem die Lichtverschmutzung minimal ist und die Dunkelheit vorherrscht. Dies ermöglicht eine bessere Sichtbarkeit der Sterne und eine eindrucksvollere Nachtfotografie. Berücksichtige auch den Mondzyklus, da der Mond zu viel Licht abgeben kann und die Sterne weniger sichtbar werden.

3. Fotografie: Mache dich mit den manuellen Einstellungen deiner Kamera vertraut. In der Nacht- und Astrofotografie sind manuelle Einstellungen unerlässlich, um das beste Ergebnis zu erzielen. Achte auf Belichtungszeit, Blende und ISO-Einstellungen, um das optimale Verhältnis von Licht und Details zu erreichen. Ein lichtstarkes Objektiv ist von Vorteil, da es mehr Licht einfängt und für hellere Aufnahmen sorgt. Vergiss nicht, ein stabiles Stativ mitzunehmen, um Wackler bei Langzeitaufnahmen zu vermeiden.

4. Zeltplatz: Informiere dich im Voraus über die Richtlinien bezüglich des Campierens an deinem ausgewählten Standort. Manche Naturschutzgebiete verbieten das Campieren oder haben spezielle Vorschriften, die du beachten musst. Frage bei den zuständigen Behörden nach oder konsultiere Websites, um sicherzustellen, dass du an einem geeigneten Ort übernachten darfst. Denke daran, die Umwelt zu respektieren und hinterlasse keinen Müll.

Indem du diese Fototipps und Vorbereitungen berücksichtigst, kannst du dich auf ein erfolgreiches und lohnendes fotografisches Erlebnis vorbereiten. Denke daran, Geduld mitzubringen, um die Schönheit der Nacht und des Himmels in vollen Zügen zu geniessen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Daniel Montandon

Auf dem Tomlishorn ein Sprung ueber dem Nebelmeer. Fotografiert mit Selbsausloeser

Daniel Montandon

Ich bin leidenschaftlicher Hobbyfotograf und liebe es, in der Natur unterwegs zu sein.
Frühmorgens oder spät abends, wenn das Licht weicher und warm ist, sind die idealen Bedingungen. Seien es Tiere in der Natur oder Personen am See oder beim Wasserfall ich versuche das aussergewöhnliche Bild festzuhalten.

Mein Ziel ist es, Fotoprojekte in der Natur zu realisieren, ohne aufwendige Bildbearbeitung am Computer durchführen zu müssen. Ich liebe es, mich dabei auch auf ausgefallene Projekte einzulassen. Je nach Projekt bin ich auch gerne bereit, diese auf tfp-Basis umzusetzen. Ich freue mich auf deine Kontaktaufnahme.